SexMagic

Geschrieben am Sunday, 2003, 16.March. @ von borderline

Fernes Land so nah…

War nett. Schöner Sex. Doch. Ruf mal an. Tschüs. Voll gelogen. Du wolltest mehr als nur Streicheln, Wichsen und Ficken. Deine Arschbacken sehnten sich nach seinen Schlägen, Deine Brustwarzen nach seinen Zähnen und Bissen. Deine Welt heißt SM – Sado-Maso. Seine nicht. Pech gehabt – beim nächsten Mann wird alles anders!

Sado-Masochismus – ein schillernder Begriff. Seine beiden Namensgeber stehen im Literaturlexikon. Der eine ist Marquis de Sade, der vor über 200 Jahren in einigen seiner Romane über Sex und Schmerz schrieb, der andere ist Leopold von Sacher-Masoch, der dieses Thema ebenfalls literarisch aufarbeitete – nur andersrum

Die ersten Kontakte zur Szene hast Du geknüpft. Besuch einer Lederbar, dort auf Signale geachtet (z.B. schwarzes Einstecktuch hinten rechts – passiver Typ – oder links – aktiv – ) und fest im Blick, was beim Spiel mit Dominanz und Unterwerfung so alles zum Einsatz kommen kann: Bondage (Fesseln), Experimente mit heißem Kerzenwachs, Schwanz- und Sackfolter, Schlagen, Fisten (Faustfick), Abschnüren der Atemluft, Anpissen und Anscheißen.

Vielleicht macht Dich das eine tierisch an, während Dich anderes kalt lässt, erschreckt oder abstößt. Auch und gerade im SM-Bereich gilt: Niemand muss, was andere wollen. Weder Du, noch irgendeiner Deiner Partner.

Im Land von SM laufen Sessions nach festen Regeln und Ritualen ab.

Das ist auch gut so. Denn bei manchem Spiel fügst Du dem Partner Schmerzen zu, kannst Du ihn verletzen, bist Du sogar Herr über seine Gesundheit! Oder es ist genau umgekehrt, wenn DU im Rollenspiel der Passive bist.

Angenommen, Du bist gefesselt, also hilflos und lässt Dich auspeitschen. Es gefällt Dir – bis zu einem gewissen Punkt. Plötzlich: Ein zu harter Schlag. Du willst abbrechen.

Ihr habt vorher ein sogenanntes Safewort abgesprochen, das signalisiert Bis hierher und nicht weiter. Du sagst es und Dein Auspeitscher stoppt sofort. Falls er nicht auf Dich hört, hat er den Ehrenkodex der SM-Szene verletzt: Egal, was es ist – es muss beiden gleichviel Spaß machen!

Es gibt auch andere Zeichen, um zu vermeiden, dass die Schmerzgrenze überschritten wird. Vor allem, wenn man nicht sprechen kann, weil z.B. ein Knebel im Mund steckt: Der Passive (Bottom) hat irgend etwas in der Hand, das er fallen lässt, wenn der Aktive (Top) ihm zu weh tut. Er stoppt sofort.

Bei Fesselspielen kann es zu völlig absurden Situationen kommen. Du bist mit Handschellen ans Gitterbett gekettet, Dein Top hat den Schlüssel vergessen. In schwulen Metropolen gibt es spezielle 24-Stunden-Schlüssel-Notdienste, um angekettete Bottoms aus ihrer misslichen Lage zu befreien! Ein guter Top hat jedoch immer einen sortierten Safe-Koffer in Griffweite. Mit allen Schlüsseln, mit einer Schere für die Fesseln – UND: mit allen Utensilien, die man zu Safer Sex braucht. Auch das ist Ehrensache!

Die normalen Safer-Sex-Regeln gelten bei SM sowieso. Dazu kommen die Vorsichtsmassnahmen bei den zusätzlichen Spielen. Hier eine – unvollständige – Übersicht:

Pisse auf der Haut oder im Mund: kein HIV-Risiko, Hepatitis-Übertragung nicht ausgeschlossen. Seltenheitswert hat die Weitergabe von Gonokokken, Chlamydien und Mykoplasmen.

Arschlecken und Kotspiele: HIV-Übertragung unwahrscheinlich (kann nur passieren, wenn Blut untergemischt ist) – aber manch anderes, was im Darm so kreucht und fleucht, kann dabei ruck, zuck überwechseln.

Elektro: HIV-mäßig kein Problem. Dickes, fettes aber: Mach keinen elektrischen Stuhl daraus. Bei zu starker Stromdosierung sind massive Verbrennungen und Schlimmeres möglich!

Kerzenwachs: Keine HIV-Gefahr. Billige Kerzen verwenden, weil die nicht so heiß werden wie echtes Bienenwachs. Auch hier kannst Du Dir und Deinem Partner furchtbare Verbrennungen zufügen.

Blutlecken, Blut-Rituale: Großes HIV-Risiko! Wenn Du Dich nicht infizieren willst: Lass es!

Faustfick (FF): Massive Verletzungsmöglichkeiten im Darmbereich. Blutungen können schon durch schlecht geschnittene Fingernägel ausgelöst werden. FF ist nur was für Erfahrene. Leute, die aktiv FF machen und passive Partner suchen, erkennst Du in der Szene manchmal am roten Tuch in der linken Gesäßtasche oder am roten Halstuch. Und: Der FF-Profi lässt den oberen Rand der Fingernägel kein bisschen weiß werden.

Toys: Am besten – ein Körper, ein Toy; jedem Partner das seine. Und wenn der Wechsel von einem zum anderen sein muss, auf jeden Fall nach dem Grundsatz nicht nur sauber, sondern rein verfahren und alles einsetzen, was das jeweilige Teil aushält. Besonders intensiv vorgehen, wenn kein Kondom drüber war. SM kann sich selbständig machen. Du suchst nach immer neuen Kicks, erlaubst Dir und Deinem Körper immer mehr und mutest Dir dabei immer mehr zu (in extremen Fällen geht das bis hin zur Selbstverstümmelung). Du wirst zum Sklaven Deiner eigenen Wünsche. Aber: SM soll es nicht mit Dir machen, sondern umgedreht. Wenn Du von diesem Weg nicht mehr alleine runterkommst und SM Dich so gefangen hält, dass Deine Gesundheit und Deine Psyche drunter leiden – such Dir professionelle Hilfe beim Sexualtherapeuten.

In der schwulen SM-Welt kannst Du intensive Sexerfahrungen machen. Einzige Grenze: Deine Gesundheit und die anderer. Deswegen sind die Regeln und Gesetze von SexMagic so besonders wichtig.

© Prollboss@gmx.net, 2003, 30. March

 

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