Fesselnde Erotik

Die Verlockung des Knotens

Geschrieben am Sunday, 2003, 16.March. @ von borderline

Ein Paket von einem Mann. Kunstvoll verschnürt. Das ist wie Weihnachten oder Geburtstag. Nur, dass man auf den ersten Blick sieht, was man kriegt. Nacktes Fleisch, gefesselte Freiheit. Bereit sich aufzubäumen, unfähig zu entkommen. Zwischen den Seilen Felder der Lust. Nicht nur ein Körper, sondern viele Parzellen, die auf Liebkosungen warten. Und auf der anderen Seite: Ekstase ohne Ausflucht, kein Action-Zwang, Sex und Faulheit als perfekte Einheit.

Bondage nennt man das. Die Kunst des Fesselns. Kunst kommt von Können. Die sexuelle Lust soll gesteigert und nicht erstickt werden. Bondage wird um so reizvoller, je besser Du Dich auskennst und je spielerischer Du mit der jeweiligen Situation umgehen kannst.

Nichts, was man nicht lernen könnte.

Anregungen findest Du in jedem guten SM-Handbuch. Außerdem gibt es nützliche Videos, in denen die Techniken und alle notwendigen Vorsichtmaßnahmen erklärt werden.

In Großstädten gibt’s Bandage-Kurse und auf Sexmessen lässt sich ausführlich begutachten, was man da alles ausprobieren kann. Bondage kann eine geile Grenzerfahrung sein. Für Dich und Deinen Partner.

Doch dafür müsst Ihr Eure Grenzen kennen und wechselseitig respektieren. Gerade der Aktive sollte darauf achten, dass die Selbstbestimmung des Partners gewahrt bleibt – auch und gerade, wenn der sich in demütiger Unterwerfung übt.

Wer ein guter S werden will, sollte sich zunächst als M versuchen – dann weiß er, wie das ist. Erst passiv, dann aktiv – Erfahrung als Sklave macht den Meister.

Und: Kein Bondage ohne klare Absprachen. Stopp heißt Stopp. Ohne Wenn und Aber. Sollte Dein Partner plötzlich Schmerzen haben oder sich aus einem anderen Grund ganz schnell befreien wollen, zählt für ihn im Zweifel jede Sekunde. Dann hilft nur eins: prompte Lockerung.

Bevor Du mit Deinem Partner Einzelheiten festlegst, werde Dir erst einmal selbst klar, welches sexuellen Geheimnisse Du ergründen, welches Bedürfnis Du ausleben und befriedigen willst. Die Möglichkeiten des Bondage sind facettenreich: Von der schnellen Verhaftung bis zur Ganzkörperverschnürung ist alles drin. Für die ersten Tests tut´s ein Seidentuch oder etwas Ähnliches.

Wirklich fesselnd kann Bondage sein, wenn Seile zum Einsatz kommen. Von oben bis unten, kreuz und quer. Besonders geeignet sind Bergsteigerseile aus Polyamid (ca. acht bis zwölf Millimeter Durchmesser), die es in jedem Outdoor-Shop gibt, aber auch Schnüre aus weißer Baumwolle oder Polyäthylen. Auch beim Segelausrüster oder in guten Sportgeschäften wirst Du fündig.

Jede Fesselung sollte so bequem erfolgen, dass der Passive sie als Lust empfindet. Symmetrisch verknotete Schnüre sind da vorteilhaft. Sieht im übrigen auch besser aus und erspart Dir danach langwierige Entwirrungsorgien. Ein guter Knoten zeichnet sich dadurch aus, dass Du ihn sicher wieder aufbekommst. Wie das geht, kannst Du in jedem Segelhandbuch nachschlagen. Der Hals ist übrigens absolute Tabuzone. Also Finger weg. Du provozierst sonst leicht einen Erstickungsanfall mit bösem Ende. Auch andere Schlagadern sind schneller abgepresst, als gedacht. Bevor Du Deinem Partner rundum verschnürst oder Dich selbst in ein Kunstwerk à la Christo verwandeln lässt, solltet Ihr überlegen, wie weit Ihr gehen wollt. Im Zweifel ist es am Anfang gut, eine Hand frei zu haben.

Aber: Es kann die erotische Spannung ungemein steigern, wenn alle Teile gut fixiert sind. So ein Abenteuer ohne Seitenausstieg und Rückzugsmöglichkeit ist einfach eine andere Nummer.

Apropos Abenteuer: Für die ersten Male solltest Du einen Partner wählen, den Du kennst und dem Du vertraust. Ein One-Night-Stand hat seinen Reiz. Doch wenn Du Dich blindlings jemandem auslieferst, den Du gerade erst in der Kneipe kennen gelernt hast, kann das ziemlich ins Auge gehen. Und wenn es partout der schöne Unbekannte sein soll, zieh lieber ein paar Erkundigungen über ihn ein. Kann ja sein, dass Bekannte von Dir schon das Vergnügen mit ihm hatten. Vielleicht weiß der Barmann Deines Vertrauens Wichtiges zu berichten. Das hat nichts mit fiesem Misstrauen und Lust am Tratsch zu tun. Bei Fesselspielen geht es um Dich und Deinen Körper. Vorsicht ist wichtig. Ebenso wichtig ist der Spaß am fesselnden Vergnügen. Ihm können die verschiedensten Utensilien dienen.

Schließlich sind weiche Seidentüchlein und stramme Seile nicht alles. Auch Leder und Stahl haben ihren Reiz. Hand- oder Fußschellen, die etwas taugen, gehen mit ein paar Hundertern ordentlich ins Geld, haben dafür aber ein zweites Schloss zum Feststellen der Weite und keine scharfen Kanten (Beides ist extrem wichtig!!!). Rein kommt man immer. Doch auf das Raus kommt es an. Deshalb halte stets einen Zweitschlüssel griffbereit. Dann gibt es keine Panikattacken, falls sich der Erstschlüssel plötzlich in Luft aufgelöst hat. Nichts ist ärgerlicher, als ein klemmendes Schloss. Ein Schuss Nähmaschinenöl wirkt da manchmal Wunder. Und wenn gar nichts mehr geht: Ruf den Schlüsseldienst.

Handgelenke oder Knöchel sind übrigens schnell gequetscht. Der Newcomer sollte sich vielleicht erst mal an Ledermanschetten versuchen. Die sind nachgiebiger. Selbst mit fünf linken Daumen an jeder Hand kriegt man Druckknöpfe auf.

Wer auf Ketten oder Haken steht, kann sich im Baumarkt eindecken. Doch bevor Du Deinen Partner an einen Haken, Seil- oder Flaschenzug hängst, solltest Du vorab die Belastbarkeit Deiner Konstruktion gründlich prüfen.

Anekdoten von bröckelndem Putz klingen lustig. Doch wenn sich die Balken tatsächlich biegen und alles mit Ach und Krach in sich zusammenbricht, ist Schluss mit lustig und rasch ein ernster Unfall passiert.

Und noch eins: Heizkörper und Rohre spielen in manchen Krimis eine tragende Rolle. Sie halten einer Dauerbelastung durch heftige Sexspiele in Wahrheit kaum stand. Bevor der Klempner kommen muss, besser nach anderen Spielwiesen Ausschau halten.

Zunächst mal bieten sich da stabile Sessel, Hocker und Stühle an. Wer es stilechter mag, greift zu Streckbank, Andreaskreuz, Fesselbank und -rahmen – der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Wenn Du etwas handwerkliches Geschick besitzt, kannst Du Dir das notwendige Zubehör auch selber bauen – und sei es Dein eigener Käfig. Heimwerken bringt Freude. Doch nur der Geschickteste kann alles selber machen.

Was es bei OBI nicht gibt, gibt´s in Fetisch- und Sexshops. Ein Teil der Bondage-Utensilien ist allerdings recht teuer. Sogenannte Fesselgeschirre aus Leder gibt es vom einfachen Halsband bis zu Ganzkörper-Lederriemen (ab € 100). Ein Bondage-Sack für Arme, Beine oder den ganzen Körper (Gummi oder Leder) ist ab etwa € 500 zu haben. Bevor Du Dich in horrende Ausgaben stürzt, lass Dich mit Deinem Partner eingehend beraten: Entscheidet dann, welches Spielzeug ihr kauft.

Ganz gleich, ob Ihr mit einem einfachen Seidentuch beginnt, Handschellen wählt, Ketten oder Seile: Ein paar Tipps sind als goldene Regeln stets zu beachten:

Niemals gefesselte Personen alleine lassen (erst recht nicht in Verbindung mit Knebeln). Spätestens wenn Gliedmaßen taub, kalt oder bläulich werden: Fesseln sofort lösen und für Durchblutung sorgen.

Niemals mit Seilen und ähnlichen Dingen am Hals hantieren. Die Gefahr eines Blutstaus bei zu festen Knoten entsteht auch an anderen Körperpartien, etwa in der Ellenbeuge, in der Kniekehle, der Leiste oder am Handgelenk. Wenn Du als passiver Partner merkst, dass es kribbelt: Mach Dich bemerkbar, Dein Partner muss den Knoten dann sofort lösen und so setzen, dass das Blut wieder frei zirkulieren kann.

Codezeichen verwenden: Wenn das Opfer am Sprechen gehindert ist, gib ihm einen Gegenstand (zum Beispiel eine Glocke) in die Hand. So kann er Dir das Signal für Stopp geben.

Immer darauf achten, dass Schlüssel für Handschellen oder eine Verbandsschere zum Durchtrennen von Seilen griffbereit liegen. Schellen regelmäßig ölen.

Wer im Stehen gefesselt ist, gehört an ein Sicherungsseil oder sollte sich anlehnen können. Fesseln stets so anlegen, dass es für das Opfer ein Lustgewinn ist.

Beim High-Speed-Fesseln entsteht Reibungshitze. Deshalb: Eile mit Weile, schalte einen Gang zurück bevor Verbrennungen drohen. Besondere Vorsicht ist bei rauhen Seilen aus Hanf und Polypropylen geboten. Damit höllisch aufpassen. Lass Dir von einem knabenhaften Pfadfinder, echten Seemann oder Segelfreak die einfachsten und schell zu lösenden Knoten zeigen. Ein Blick in entsprechende Bücher schadet nicht, aber probieren geht über studieren. Also her mit der Stuhllehne oder dem Besenstiel und erst mal Knoten üben.

Wenn der Hoden oder Schwanz abgebunden werden, sollten die Schnüre nicht zu schmal sein. Der Spaß sollte keinesfalls länger als zwanzig Minuten dauern. Und jetzt: Ob Du voll in die Eisen steigst oder Dich sanft vom Band des Begehrens einwickeln lässt – viel Vergnügen!

© Prollboss@gmx.net, 2003, 30. March

 

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