Destruktive Beziehungen zwischen Sadomasochisten

Geschrieben am Saturday, 2002, 25.May. @ 14:58:26 CEST von borderline

Sadomasochisten können, wie alle anderen Menschen, in Beziehungen geraten, in denen sie missbraucht werden. Da viele von ihnen isoliert von anderen Sadomasochisten leben und es kaum Rollenmodelle für SM-Beziehungen gibt, kann es für sie allerdings schwieriger sein, diesen Sachverhalt zu erkennen. Dieser Text soll Sadomasochisten helfen, festzustellen, ob sie in einer solchen Beziehung stecken und Möglichkeiten aufzeigen, Probleme zu vermeiden.

Einleitung

Wie alle Menschen können Sadomasochisten in Beziehungen geraten, in denen sie missbraucht, in ihrer Freiheit eingeschränkt oder regelmäßig das Opfer von nicht-einvernehmlicher Gewalt werden. Gewalt, sagt das landläufige Vorurteil, sei die Grundnatur einer sadomasochistischen Beziehung und lange Zeit unterstützte die Medizin diese Vorstellungen. Sadomasochisten selbst wissen, daß ihre Beziehungen sich nicht grundsätzlich von denen zwischen Nichtsadomasochisten (Vanilles) unterscheiden. Die neuere medizinische Forschung hat dies auch inzwischen anerkannt [braeu].

Trotzdem kann es für Sadomasochisten schwierig sein zu erkennen, daß sie in einer destruktiven Beziehung stecken. Auch sie können glauben, daß gewisse Formen des Mißbrauchs besonders für Sadomasochisten in der passiven Rolle (Bottoms) „einfach dazugehören“, daß die Rechtlosigkeit, die sie in ihren Spielen erleben, auch für die restliche Beziehung gelten muss. Die Glorifizierung solcher Beziehungen in der sadomasochistischen Literatur, in der der Bottom tatsächlich 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche das willenlose Spielzeug des Sadomasochisten in der aktiven Rolle (Top) ist, wie „Geschichte der O“ [reage] oder „Mr. Benson“ [prest], können diesen Glauben noch verstärken. Sadomasochisten, die keinen Anschluß an die organisierte Subkultur haben, kann es außerdem an konstruktiven Vorbildern für ihre eigene Beziehung mangeln.

Die amerikanische National Leather Association, kurz NLA, ist als erste sadomasochistische Organisation diesem Problem mit ihrem Domestic Violence Education Project begegnet. Sie stellte speziell für Sadomasochisten einen Fragenkatalog zusammen, mit dem eine destruktive Beziehung (englisch domestic violence, wörtlich übersetzt „häusliche Gewalt“) leichter erkannt werden kann. Auf dieser Übersetzung basiert unser Text zu einem großen Teil. Weiter flossen Gedanken aus der Diskussion zum verwandten Thema Hörigkeit aus der Szene Intern von Anfang 1995 ein [si.1.95].

Wer ist betroffen?

Jeder Mensch kann in eine destruktive Beziehung geraten. Tatsächlich wird fast jeder aus seinem Bekanntenkreis Beispiele für Beziehungen kennen, die durch einen gewissen Grad von Hörigkeit, Mißbrauch oder gar Gewalt gekennzeichnet sind. Destruktive Beziehungen sind ein verbreitetes Problem.

Auch unter Sadomasochisten kommen destruktive Beziehungen vor. Zwar ist es richtig, daß es keine Anzeichen für ein erhöhtes Vorkommen von Missbrauch unter Sadomasochisten gibt und es ist auch wahr, daß die meisten Sadomasochisten ihr Leben damit verbringen, das ihrem Vanille-Umfeld immer wieder zu erklären. Trotzdem darf das nicht dazu führen, daß Sadomasochisten die Augen gegenüber der Tatsache verschließen, daß auch in ihren Kreisen destruktive Beziehungen auftreten können.

Es gibt keine Gruppe von Sadomasochisten, die für eine destruktive Beziehung besonders anfällig oder auch völlig immun wäre. Jeder, ob männlich oder weiblich, homosexuell oder heterosexuell, Top oder Bottom, kann Opfer körperlicher oder psychischer Gewalt in einer Beziehung werden. In westlichen Gesellschaften wird meist nicht akzeptiert, dass auch Männer Opfer sein können; in der sadomasochistischen Subkultur wird zu wenig daran gedacht, dass auch Tops in destruktiven Beziehungen gefangen sein können.

Allgemeines zu Beziehungen Eine sadomasochistische Beziehung ist ihrem Wesen nach zunächst nicht anders als eine nichtsadomasochistische: Jede Beziehung sollte durch gegenseitigen Respekt, Vertrauen und Verantwortung in und für den Partner gekennzeichnet sein. Eine Beziehung muß ein Ort sein, an dem man sich sicher, geborgen und verstanden fühlt. Kein Partner ist „wertvoller“ oder „wichtiger“ als der andere, beide sind gleichberechtigt. Die einzige Besonderheit in einer sadomasochistischen Beziehung ist die Machtverteilung während des Spiels. (In diesem Text verwenden wir, wie überall auf den Datenschlag-Seiten, den Ausdruck „Spiel“ für SM-Interaktionen. Diese Bezeichnung sagt nichts über die Ernsthaftigkeit oder emotionale Tiefe dieser Handlungen aus; eine ausführlichere Erörterung findet sich unter http://www.datenschlag.org/papiertiger/lexikon/spiel.html.)

Alle Sadomasochisten sind gleich, nur während eines Spiels sind einige gleicher als andere.

Ein Spiel ist ein Ausnahmezustand, der nur unter kontrollierten Bedingungen und strengen Regeln eingegangen wird. Viele Sadomasochisten ziehen es vor, wenn ein Spiel einen klaren Anfang und ein klares Ende hat. Das Geschehen während eines Spiels wird durch Grenzen bestimmt, die Bottom und Top vorher festgelegt haben. Fällt das Safeword, muss es bedingungslos respektiert werden. Manche Tops versuchen, unerfahreneren Bottoms einzureden, bei ihnen sei die Verabredung eines Safewords „nicht nötig“ oder „nur was für Möchtegern-SMler“. Wird das Spielen ohne Safeword gefordert, sollte der Bottom hellhörig werden.

Ganz gleich, welche Praktiken während eines Spiels zugelassen sind, ganz gleich, wie sehr sich der Bottom in ihnen erniedrigen, quälen oder zu einem Lustobjekt machen lässt, sie sind auf die Zeit des Spiels begrenzt und basieren auf gegenseitigem Einverständnis. Außerhalb der Grenzen des Spiels stellen dieselben Praktiken Psychoterror, Körperverletzung und Vergewaltigung dar. Psychoterror gehört nicht zum Sadomasochismus, Körperverletzung gehört nicht zum Sadomasochismus, erzwungener Sex gehört nicht zum Sadomasochismus.

Gewalt hat soviel mit Sadomasochismus zu tun wie Vergewaltigungen mit Liebe.

Kein Bottom darf gezwungen werden, immer unterwürfig zu sein, kein Top dazu, immer stark aufzutreten. Ein Bottom muss seine Persönlichkeit entfalten können, ohne auf Widerstand zu stoßen; ein Top muss auch Schwäche zeigen können, ohne Hohn erwarten zu müssen.

Geliebt wird man dort, wo man Schwäche zeigen kann, ohne Stärke zu provozieren.

Manche Sadomasochisten bezeichnen viele der obigen Gedanken als „verweichlichten“ oder gar „falschen“ Sadomasochismus. „Echte Sadomasochisten“ benutzen kein Safeword, hört man von ihnen, leben immer als „echt veranlagte“ Tops oder Bottoms in ihren Rollen. Es werden Worte wie „Poser“ für Sadomasochisten benutzt, die als Tops auch zärtlich zu ihren Bottoms sind oder für Bottoms, die es wagen, eine eigene Meinung zu haben. Unerfahrene Sadomasochisten können dazu verleitet werden, diesen Selbstdarstellungen zu glauben und leichter in destruktive Beziehungen rutschen.

Wie erkenne ich eine destruktive Beziehung? Der Katalog der National Leather Association umfaßt Fragen zu den Themenbereichen :

Soziales Umfeld und Ressourcen, Abschnitt Umfeld Charakter der Beziehung, Abschnitt Charakter Verhalten in einem Spiel, Abschnitt Session Spielverhalten im Alltag, Abschnitt Alltag und Grenzen und Safeword, Abschnitt Safeword Im Gegensatz zu dem englischsprachigen Original wurden hier die Fragen mit einem erläuternden Kommentar versehen, damit auch Nichtsadomasochisten, die mit diesem Thema konfrontiert werden, z.B. Ärzte, leichter Zugang zur Materie haben.

Soziales Umfeld und Ressourcen Zu den klassischen Methoden der Gehirnwäsche gehört es, das Opfer zu isolieren und ihm den Zugang zu Ressourcen zu verweigern.

Isoliert dein Partner dich von deinem Umfeld? Erwartet man von dir, dass du deine Freunde ganz oder zum Teil aufgibst? Setzt man dich unter Druck, die Beziehung zu Familienmitgliedern einzuschränken? Sollst du dich nicht mehr mit Arbeitskollegen oder Kommilitonen treffen? Musstest du das Studium aufgeben oder die Arbeit kündigen? Es gibt ein Leben außerhalb jeder Beziehung, auch einer sadomasochistischen. Hat dein Partner jemals deinen Zugang zu Geld eingeschränkt? Hat dein Partner die Kontrolle über deine Finanzen übernommen? Sollst du nicht mehr ohne seine Erlaubnis Auto, Computer oder Telefon benutzen? Geld und Sadomasochismus haben nichts miteinander zu tun. Vorübergehend können solche Situationen ihren Reiz haben; wenn sie allerdings dazu führen, dass du dich im Ernstfall nicht mehr selbst um Hilfe, Beistand und Fluchtmöglichkeiten kümmern kannst, bist du in Gefahr. Hat dein Partner dich jemals bestohlen? Hat er dich jemals gezwungen, für ihn Kredite aufzunehmen? Sieht er plötzlich dein Eigentum als seines an? Leiht er sich Gegenstände von dir, die er als seinen Besitz ansieht? Diebstahl ist ein Verbrechen, auch unter Sadomasochisten. Der Partner soll in den Spielen ein Machtgefälle zu dir aufbauen, nicht zu deinem Besitz. Charakter der Beziehung Die folgenden Fragen betreffen nicht nur sadomasochistische Beziehungen, sondern alle Beziehungen. Einige haben aber für Sadomasochisten eine besondere Bedeutung, wie Fragen des Vertrauens oder der Fähigkeit, mit dem Partner zu reden; sie werden deshalb besonders unter diesem Gesichtspunkt besprochen.

Hast du Schwierigkeiten, deinem Partner zu vertrauen? Hast du Zweifel, ob du deinem Partner wirklich dein Leben anvertrauen kannst? Benimmt er sich so, dass du dich betrogen oder verraten fühlst? Hast du Schwierigkeiten, dich als Bottom fallenzulassen oder fragst du dich als Top, ob der Bottom zu dir ehrlich ist? Vertrauen ist die Grundlage des Sadomasochismus. Jeder Partner muss zu jeder Zeit das Gefühl haben, sich auf den anderen völlig und unter allen Umständen verlassen zu können. Hast du Angst vor deinem Partner? Hast du das Gefühl, dass dein Partner unberechenbar ist oder gewalttätig werden könnte? Kannst du bei ihm keine Grenzen erkennen oder hast du die Befürchtung, er könnte sie nicht einhalten? Auch ein Sadomasochist darf niemals Angst vor dem Partner selbst haben, ob in einem Spiel oder außerhalb, sondern lediglich vor Praktiken. Das Vertrauen in den Partner ist das, was die einzelnen Praktiken psychologisch überhaupt erst möglich macht. Hast du das Gefühl, dass du nicht mit deinem Partner über Dinge reden kannst, die in eurer Beziehung nicht stimmen? Blockt er ab, wenn du über Themen mit ihm reden willst, die dir wichtig sind? Weigert er sich, über den Verlauf von Spielen, persönlichen Anliegen, Grenzen oder Ängste mit dir zu reden? Hast du das Gefühl, dass er dir nicht oder viel zu selten zuhört? Ohne Verständigung können keine Grenzen ausgetauscht werden. Abstürze und seelische Verletzungen sind in diesen Fällen so gut wie vorprogrammiert. Wechselt eure Beziehung von emotionaler Nähe zu großer emotionalen Distanz? Hat die Beziehung etwas von einer Achterbahnfahrt? Entzieht dein Partner dir zur Strafe Nähe und Geborgenheit? Hast du das Gefühl, dass dein Partner von dir abrückt? Alle Beziehungen sollten grundsätzlich von einem Gefühl der emotionalen Nähe gekennzeichnet sein. Insbesondere von sadomasochistischen Beziehungen, wo das Zufügen und Erleiden von Schmerzen der Beziehung eine besondere emotionale Ebene hinzufügt, kann man das verlangen. Fühlst du dich verpflichtet, Sex mit deinem Partner zu haben? Besteht in der Beziehung das Gefühl, dass Sex eine Aufgabe ist, die du zu erfüllen hast? Sieht dein Partner Sex als sein Grundrecht an, das er nach Belieben oder regelmäßig verlangen kann? Ist er ungehalten oder verlangt er von dir, dass du ihn „gewähren läßt“, wenn du keine Lust hast? (Natürlich ist es möglich, dass dich genau diese Vereinbarung am meisten anmacht. Dann solltest du dich fragen, ob sie dir in der Praxis ebensoviel Spaß macht wie in der Phantasie, und ob deine ständige „Verfügbarkeit“ dir auch nach einiger Zeit noch gefällt oder dir allmählich unangenehm geworden ist.) Sex ist auch unter Sadomasochisten etwas, das von beiden Seiten als Geschenk gegeben und Geschenk empfangen wird. Niemand ist verpflichtet, Sex mit einem anderen Menschen zu haben. Enthält dein Partner dir Sex vor? Verweigert dein Partner dir langfristig sexuelle Befriedigung, ohne dass diese Situation von beiden Seiten erwünscht ist? Eine solche Regelung kann – zumindest für einen gewissen Zeitraum – von beiden Seiten gewollt sein; selbstverständlicher Bestandteil einer SM-Beziehung ist sie jedoch nicht. Hat er dich jemals mit einer Waffe bedroht? Hat er innerhalb eines Spiels gegen eure Absprache oder außerhalb eines Spiels und gegen deinen Willen dir ein Messer an den Hals gesetzt oder eine Schußwaffe auf dich gerichtet? Oder mit anderen Gegenständen Drohgebärden gemacht? Drohgebärden gehören in Spiele, nicht in den Alltag. Jemanden mit einer Waffe zu bedrohen ist eine strafbare Handlung, auch unter Sadomasochisten. Hat Dein Partner jemals Gegenstände zerstört oder Haustiere bedroht? Hat er in Wutausbrüchen oder in anderen Situationen des Kontrollverlustes Möbel zertrümmert? Hat er mit Geschirr geworfen oder Kleidung zerrissen? Hat er ein Haustier entführt oder dessen Wohlergehen als Druckmittel benutzt? Zwischen einem zerrissenen T-Shirt während eines Spiels und einer eingeworfenen Schrankwand liegen die Welten der spielerischen Freiwilligkeit und nackter Gewalt. Wutausbrüche sind ein Zeichen für mangelnde Selbstkontrolle und stellen die Beziehungsfähigkeit des Partners in Frage. Sadomasochisten ohne Selbstkontrolle sind für Spielpartner lebensgefährlich. Verhalten in einem Spiel Auch wenn in einem Spiel der Bottom dem Top gewisse Rechte einräumt, ist nicht alles erlaubt. Auch der Bottom hat nicht das Recht, alles und jedes vom Top zu verlangen.

Bist du dir unsicher, wann ein Spiel beginnt oder endet? Scheint ein Spiel länger zu gehen, als es dir bewusst ist? Findest du dich urplötzlich und ohne deine Einwilligung in einer spielähnlichen Situation wieder? Hast du generell Schwierigkeiten, eine Grenze zwischen einem Spiel und der restlichen Beziehung zu ziehen? Alle Beteiligten sollten eindeutig wissen, ob sich noch alle im Kontext BDSM befinden, oder aus irgendwelchen Gründen die gemeinsamen Regeln nicht mehr gelten. Das kann für Tops wie für Bottoms gelten, weil man heute krank ist, sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern muß oder weil die materielle Existenz auf dem Spiel steht. Ein Grund kann auch sein, dass einer der Beteiligten (vorübergehend) psychisch nicht mehr in der Lage ist, im BDSM-Kontext zu leben. Gegen solche Grenzen erzwingen kann und darf man BDSM nicht. Fühlst du dich in der Rolle als Top oder Bottom gefangen? Hast du das Gefühl, die Rolle als Top oder Bottom nicht ablegen zu können? Erwartet dein Partner, dass du dein Rollenverhalten auch außerhalb klarer SM-Situationen an den Tag legst? Auch wenn die Rolle als Top oder Bottom in einem Spiel auf einer gewissen Grundneigung beruht, stellt diese Neigung nur eine Facette der Persönlichkeit dar. Ebensowenig, wie man andauernd „Kind“, „Elternteil“ oder „Polizeibeamter“ sein kann, kann man andauernd in der Rolle des Top oder Bottom sein. Kritisiert dein Partner andauernd dein Spiel? Wirft er dir dauernd vor, etwas als Top oder Bottom falsch zu machen? Versucht er dir einzureden, daß Du „nicht gut (genug)“ bist? Stellt er andauernd Ansprüche, denen du dann nicht gerecht werden kannst oder willst? Jeder spielt nach seinen Vorstellungen, nicht nach den Wünschen des Partners. Wo sich Vorstellungen nicht decken, sollte nicht gespielt werden – und wo aus gelegentlichen konstruktiven Vorschlägen permanentes Nörgeln wird, ist eine gesunde Beziehung auf lange Sicht nicht möglich. Benutzt dein Partner SM, um Wut oder Frustrationen auszulassen? Will dein Partner mit dir spielen, wenn er wütend ist? Will er schlechte Laune in einem Spiel loswerden? Sieht er sadomasochistische Praktiken als ein Ventil für Ärger an? Ein Partner ist kein Punchingball und kein Sandsack. Wut und Ärger sind eindeutige Zeichen, dass gerade zu diesem Zeitpunkt nicht gespielt werden sollte, da die Selbstkontrolle und das Urteilsvermögen verloren gehen. Spielverhalten und Alltag.
Die Anwendung sadomasochistischer Praktiken, ob körperlicher oder psychischer Art, ist nur innerhalb von SM-Situationen zulässig und darf aus deren Grenzen nicht ausbrechen. Auch in Lifestyle-Beziehungen, also solchen, in denen das alltägliche Zusammenleben als ein durchgehendes Spiel gesehen wird, gibt es Situationen und Zeitpunkte, wo eine Rückkehr zur Normalität ansteht. Jeder Sadomasochist muss durch sein Verhalten beweisen, dass er die Grenzen zwischen Spiel und Realität erkennt, versteht und respektiert.

Fügt dein Partner dir außerhalb eines Spiels Gewalt zu? Schlägt er dich? Würgt oder ohrfeigt er dich? Fügt er dir ohne deine ausdrückliche Erlaubnis Schmerzen zu? Packt er dich fester an, als es dir lieb ist? Sadomasochistische Praktiken, die unfreiwillig und außerhalb eines Spiels stattfinden, sind nichts anderes als nackte Gewalt. Gewalt hat nichts mit Sadomasochismus zu tun, und jede Form von Gewaltanwendung in einer sadomasochistischen Beziehung ist genauso zu verurteilen wie in einer Vanille-Beziehung. Hat er dich jemals gegen deinen Willen hilflos gemacht? Hat er dir gegen deinen Willen Hausarrest auferlegt? Wurdest du gegen deinen Willen gefesselt oder auf eine andere Art hilflos gemacht und dann in die Öffentlichkeit gebracht oder anderen Menschen vorgeführt? Freiheitsberaubung ist ein Verbrechen, auch unter Sadomasochisten. Öffentlichkeitsspiele erfordern eine besondere Absprache. Erniedrigt dein Partner dich außerhalb eines Spiels? Kritisiert er dich andauernd? Führt er dich gegen deinen Willen anderen Menschen vor? Hast du das Gefühl, dass er dein Selbstwertgefühl zerstört oder zu zerstören versucht? Eine sadomasochistische Beziehung sollte auf beiden Seiten zu einem erhöhten Selbstwertgefühl führen, wie zu dem Gefühl, dass der Partner dich außerhalb der Spiele voll unterstützt, egal, was er während eines Spiels macht. Spiele sollen stark machen, nicht schwach. Grenzen und Safeword Jeder Mensch hat Grenzen. Eine gewisse Art von Bottoms behaupten allerdings mit einer gewissen Arroganz, daß sie keine Grenzen hätten, in der Vorstellung, daß sie deswegen bessere Bottoms wären. Diese Form von narzißtischer Angeberei kann meist dadurch beendet werden, dass der Top mit einer Kettensäge den Raum betritt. Die vorherige Vereinbarung von Grenzen, die Absprache, ist die zentrale Methode der Vorbeugung von Missverständnissen, Abstürzen und Verletzungen.

Das Safeword ist der zentrale Sicherheitsmechanismus während eines Spiels selbst. Manche Tops verlangen von ihren Bottoms, dass sie ohne Safeword spielen, weil sie sonst nicht das Gefühl hätten, dass man ihnen vertrauen würde. In einigen Fällen wird das sogar als Bedingung für ein Spiel angegeben. Solche Tops haben vergessen, daß Vertrauen ein Geschenk eines Bottoms an seinen Top ist, das der Top sich verdienen muß und nicht etwas, worauf der Top ein Geburtsrecht hat. Die einzige Art, mit solchen Tops umzugehen ist, jedes Spiel mit ihnen zu verweigern.

Es gibt Sadomasochisten, die betonen, dass sie ohne Safeword spielen, meist mit dem Zusatz, dass das das Beste seit der Erfindung des Orgasmus sei oder gar, dass man nur so „echten“ Sadomasochismus betreiben könne. Meist handelt es sich hierbei nur um eine Verwechslung der Begriffe Slowword und Safeword. Mit einem Slowword (wie rot, gelb, grün) kann der Bottom die Intensität eines Spiels steuern, eine Möglichkeit, die mit der „Aufgabe des Safeword“ meist gemeint ist. Ein Safeword dagegen hat den Sinn, das Spiel in einem Notfall zu unterbrechen – bei einem Krampf, wenn das Haus Feuer fängt, drohendes Erbrechen hinter einem Knebel oder die Schwiegermutter, die hinter dem Top durch die Tür kommt. Die wenigsten Paare, die behaupten, „ohne“ zu spielen, würden tatsächlich ein Safeword ignorieren.

Die Aufgabe des Slowwords ist etwas, was der Bottom immer aus freien Stücken und ohne Zwang dem Top anbieten muss. Das Vertrauen, das zu einem solchen Angebot führen kann, muß sich der Top verdienen, er kann es niemals verlangen. Ein Bottom vertraut dem Top, dass dieser immer das Safeword respektieren wird; ein Top vertraut dem Bottom, dass er ein Safeword nur bei wirklichen Notfällen verwenden wird. Ist dieses Vertrauen auf der einen oder anderen Seite nicht gegeben, ist ein Spiel und erst recht eine Beziehung nicht sinnvoll. Verlangt ein Top den Verzicht auf das Safeword, ist das ein deutliches Alarmsignal.

Verweigert dein Partner dir ein Safeword? Versucht dein Partner dir einzureden, dass du kein Safeword brauchst? Sagt er dir, dass er nur mit dir spielen wird, wenn du auf ein Safeword verzichtest? Behauptet er, dass „echte Sadomasochisten“ kein Safeword benutzen oder dass ein Safeword nur etwas für Anfänger ist? Der Zweck eines Safewords ist es, in einem Notfall Leben zu retten. Das gilt für erfahrene Sadomasochisten ebenso wie für Anfänger. Auch in „24/7“ oder „Lifestyle-Beziehungen“ gibt es Situationen, in denen der BDSM-Kontext verlassen werden muss, und das muss signalisiert werden können. Auf welche Art dies geschieht, ist individuelle Verhandlungssache. Hat dein Partner jemals dein Safeword ignoriert? Hat er jemals gezögert oder sich sogar geweigert, bei einem Safeword das Spiel abzubrechen? Kam jemals der Vorwurf, dass du dich nur anstellst? Hat er dir jemals bei einem Safeword befohlen, die Zähne zusammenzubeißen? Hat er jemals so getan, als ob er das Safeword nicht hören würde? Auch wenn ein Partner der Meinung ist, dass es eigentlich keinen guten Grund für das Safeword gibt, hat er das Spiel sofort und ohne Zögern zu unterbrechen. Auch ein Top hat das Recht auf ein Safeword, wenn ihm das Spiel außer Kontrolle zu geraten scheint. Macht er sich über deine Grenzen lustig? Versucht er dir einzureden, dass deine Grenzen kindisch sind? Hat er dich als Angsthasen oder Weichei bezeichnet oder behauptet, „echte Sadomasochisten“ würden sowas alle oder immer tun? Hast du das Gefühl, dass er dich wegen deiner Grenzen nicht für voll nimmt? Grenzen sind etwas Persönliches. Sie können nicht nur aus gesundheitlichen Bedenken oder Ekel vor gewissen Praktiken entstanden sein, sondern auf traumatischen Erlebnissen oder persönlichen Erfahrungen beruhen, die für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind. Jeder Partner hat auch ohne Angabe von Gründen die Grenzen des anderen zu respektieren. Allgemeingültige Praktiken oder Verpflichtungen gibt es nicht – Vorlieben und Abneigungen sind unterschiedlich, kein Sadomasochist ist wie der andere. Hat er jemals absichtlich deine Grenzen missachtet? Hat er jemals etwas getan, was vorher in der Absprache ausdrücklich ausgeklammert wurde? Geht er bei vereinbarten Praktiken weit über das hinaus, was du möchtest? Die vor einem Spiel vereinbarten Grenzen des Bottoms und des Tops sind heilig und dürfen nicht überschritten werden. Das ist ein grundsätzlicher Vertrauensbruch, der das Fundament der Beziehung in Frage stellt. Sadomasochisten sollten jetzt den Fragenkatalog nochmal durchgehen und diesmal nur die Fragen zu beantworten versuchen. Wenn man eine oder gar mehrere Fragen mit ja beantworten kann, liegen Anzeichen für eine destruktive Beziehung vor. Die Vielfalt der möglichen SM-Beziehungsformen ist allerdings sehr groß – es gibt durchaus glückliche, funktionale Beziehungen, in denen einer oder mehrere dieser Punkte zutreffen können. Mindestens aber sollten diese Punkte dann zum Anlass genommen werden, sehr genau über die Beziehung nachzudenken: Besteht eure Beziehungsform auf deinen ausdrücklichen, freien Wunsch hin? Sind die fraglichen Regelungen und Verhaltensweisen zwischen euch abgesprochen, hast du deine Zustimmung dazu gegeben? Bereiten sie dir noch ebensoviel Spaß wie in der Anfangsphase der Beziehung oder ist es an der Zeit, sie zu überdenken? Machen sich Freunde und Bekannte Sorgen um dich, und sind diese Sorgen eventuell berechtigt? Bist du ganz sicher, dass diese Beziehung und diese Beziehungsform dir gut tut? Es ist sinnvoll, sich diese Fragen immer wieder zu stellen – Menschen ändern sich und Beziehungen ändern sich.

Was kann man dagegen tun? Für Vanilles existieren eine Reihe von offiziellen Anlaufstellen, um aus destruktiven Beziehungen zu entkommen, die meistens allerdings Frauen vorbehalten sind. Sadomasochisten können zögern, diese Organisationen in Anspruch zu nehmen, weil sie befürchten, als „Perverse“ abgewiesen zu werden oder dass rechtliche Schritte gegen sie eingeleitet werden könnten.

Dazu muss gesagt werden: Die juristische Stellung des einvernehmlichen, sprich auf freiwilligem Handeln beruhenden Sadomasochismus ist in Deutschland gesichert. Eine genaue Darstellung findet sich bei Sitzmann [sitzm], eine kürzere Behandlung des Themas auch in der Szene Intern Ausgabe von Februar 93 [si.2.93].

Sadomasochistische Opfer von Missbrauch oder Vergewaltigung haben vor Gericht die gleichen Rechte wie alle anderen Opfer auch.

Jede Vergewaltigung und jede Misshandlung sollte daher ohne Zögern zur Anzeige gebracht werden.

Angst vor gesellschaftlichem Spott darf nicht zu einem Verbleib in einer destruktiven Beziehung führen.

Traditionelle Anlaufstellen für Opfer sind etwas problematischer. Besonders sadomasochistische Frauen können zwischen die Fronten des Geschlechterkriegs geraten und von ihren nichtsadomasochistischen Geschlechtsgenossinnen Sprüche wie „Du wolltest es doch so!“ oder „Das hast du jetzt davon!“ zu hören bekommen. Wie im Keres Report [keres] dokumentiert, hat eine von vier lesbischen Sadomasochistinnen Gewalt durch die lesbische, nichtsadomasochistische Umgebung erfahren.

Eine mögliche Anlaufstelle ist immer der Hausarzt, der auf Hilfsorganisationen verweisen kann und gleichzeitig durch die ärztliche Schweigepflicht gebunden ist.

Neben den offiziellen Stellen kann sich der Kontakt mit Organisationen der sadomasochistischen Subkultur lohnen, die vielleicht ohnehin einen besseren Einblick in die Problematik haben. Adressen und Telefonnummern von Beratungstelefonen werden in Abschnitt [subkultur] angegeben. Im Allgemeinen ist die Infrastruktur in diesem Bereich noch äußerst dürftig.

Vorbeugung

Die beste Art, einer destruktiven Beziehung zu entgehen, ist, sie von vorne herein zu vermeiden. Besonders sollte man sich vor Menschen hüten, mit denen man nicht gut über Grenzen und Sexualverhalten allgemein reden kann. Wirklich gefährlich ist die Gattung von Sadomasochisten, die Begriffe wie „echter Sadomasochismus“, „echter Bottom“ benutzen, Vorstellungen haben, welche Praktiken für eine „richtige“ Beziehung notwendigerweise dazugehören, gewisse Spielarten als „verweichlicht“ oder „Kinderkram“ bezeichnen, oder gar zu wissen glauben, was ein Partner zu tun bereit sein muss, bis er oder sie als „richtiger Top“ oder „richtiger Bottom“ gelten darf.

„Echter Sadomasochismus“ ist alles, was beiden Partnern Spaß macht.

In der Psychiatrie gibt es den Begriff der Sadistic Personality Disorder [macti]. Von den folgenden Kriterien müssen mindestens vier gegeben sein, um die Diagnose von SPD formell zu rechtfertigen:

Benutzt Gewalt oder Grausamkeit, um in einer Beziehung die Vorherrschaft zu sichern Genießt es, Menschen in der Öffentlichkeit zu erniedrigen oder demütigen Genießt es, Menschen oder Tieren körperlichen oder seelischen Schmerz zuzufügen Diszipliniert Menschen unter seiner Kontrolle mit exzessiver Strenge und/oder Härte Erzählt Lügen mit dem Ziel, Schmerzen und Leiden zu erzeugen Benutzt Einschüchterung bis hin zum Terror, um Leute zum Befolgen seiner Befehle zu bringen Hat eine Faszination für alles, was mit Gewalt, Folter, Tod und Zerstörung zu tun hat, hat wenig Respekt für die Rechte anderer und hat die Neigung die Freiheit derer einzuschränken, mit denen er zusammen ist oder zu denen er eine enge Beziehung hat Studien zu diesem Thema haben bei derartigen Personen eine höhere Häufigkeit von Alkohol- und Drogenmißbrauch wie auch von Depressionen gefunden [reich].

Diese Kriterien sind natürlich innerhalb der Grenzen eines sadomasochistischen Spiels bedeutungslos, dürfen aber während der restlichen Beziehung nicht auftauchen. Menschen mit SPD sind gefährlich und werden oft im Zusammenhang mit Fällen von Kindesmissbrauch und anderen Formen der familiären Gewalt auffällig.

Die nichtkommerzielle Subkultur hat trotz ihres enormen Wachstums während der letzten Jahre und einen damit verbundenen Verlust an Intimität immer noch ein gewisses, allgemein verbreitetes Wissen über das Spielverhalten ihrer Mitglieder, das eine gewisse Schutzfunktion erfüllt. Man muß zwar sehr vorsichtig damit sein, persönliche Kleinkriege für bare Münze zu nehmen, aber der Ruf eines möglichen Partners in der Subkultur kann ein Hinweis darauf sein, ob eine konstruktive Beziehung mit ihm möglich sein wird.

Was das Opfer tun kann Gewalt in Partnerschaften von Sadomasochisten ist ein Problem, mit dem die meisten Opfer allein gelassen werden. Mit Ausnahme derer, die in der Subkultur integriert sind, sind misshandelte Sadomasochisten fast immer einer verstärkten Isolation ausgesetzt. Das Opfer muß sich klarmachen:

Niemand hat das Recht, dich zu misshandeln, egal, ob du Sadomasochist oder Vanille bist, Top oder Bottom, männlich oder weiblich. Du trägst für die Gewalt an dir nicht die Schuld. Du bist nicht alleine. Selbst so medienbekannte Sadomasochisten wie Sina-Aline Geißler sind in solche Beziehungen geraten [geissler]. Andere waren schon in dieser Situation und haben einen Ausweg gefunden. Mißhandlung und Vergewaltigung sind und bleiben Verbrechen, und Sadomasochisten haben die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen auch. Furcht vor öffentlichem Spott darf einen nicht daran hindern, diese Rechte wahrzunehmen, um aus einer destruktiven Beziehung zu entkommen. Es sollten möglichst früh Vorbereitungen für den Fall getroffen werden, dass man schnell eine gemeinsame Wohnung oder Ähnliches verlassen muß. Familienmitglieder und Freunde sollten über die Situation in Kenntnis gesetzt werden. Auch hier darf falsche Scham nicht zur Isolierung führen.

Die Angst, keinen anderen Partner mit Interesse an SM zu finden, ist der schlechteste Grund für das Aufrechterhalten einer destruktiven Beziehung. Es gibt gar nicht so wenige Sadomasochisten, und die bloße Befürchtung, nichts Besseres zu finden, ist ganz bestimmt keine Basis für eine Liebesbeziehung.

Es kann gute Gründe geben, warum ein Verlassen der Beziehung nicht möglich oder erwünscht ist – Angst vor oder Liebe zum Täter, wirtschaftliche Abhängigkeit, Kinder. Auch wenn man bleibt, gibt es Hilfe. Es existieren Familienberatungsstellen und Hilfsorganisationen, die für diese Fälle ausgebildet sind, wenn auch nicht unbedingt auf die besondere Situation einer sadomasochistischen Beziehung. Ist man selbst nicht dazu in der Lage, können Freunde, Ärzte oder Pastoren auch ohne Kenntnisse der Neigung Kontakt zu solchen Gruppen für dich herstellen.

In vielen Fällen wird das Opfer aber selbst gar nicht mehr erkennen können, dass es in einer destruktiven Beziehung steckt. In diesen Fällen kommt dem Umfeld entscheidende Bedeutung zu.

Was der „Täter“ tun kann

In einigen Fällen wird ein Partner merken, daß der andere in eine Hörigkeit rutscht oder sich in seine Rolle hineinsteigert, ohne daß der andere es will oder gar versucht, eine solche Situation herbeizuführen. Der Täter wider Willen schafft es dann vielleicht auch nicht, dem Anderen die Situation selbst oder durch Bekannte oder Freunde klarzumachen. In so einem Fall ist eine Lösung, die Beziehung abzubrechen. Dieser Schritt kann für das Opfer enorm hart sein. Bevor dieser Schritt gemacht wird, sollte sich der Täter, wo immer möglich, Rat und Hilfe holen.

Was das Umfeld tun kann

Umfeld bedeutet in diesem Zusammenhang so gut wie immer das subkulturelle Umfeld, da für Vanilles der Unterschied zwischen konsensuellen, sadomasochistischen Spielen und Gewalt teilweise nicht erkennbar ist.

Die wichtigste Maßnahme ist, zuzuhören. Jeder, der über seine oder ihre Erlebnisse reden möchte, sollte innerhalb der Subkultur die Möglichkeit dazu haben. Spezielle Anlaufstellen wie Beratungstelefone müssen so weit wie möglich bekannt gemacht werden. Nicht das Opfer trägt die Schuld, sondern der Täter. Eine Mitschuld des Opfers mag verlockend erscheinen oder vom Opfer selbst so gesehen werden, aber am Ende ist es immer der Täter, der zuschlägt, Psychoterror ausübt oder vergewaltigt. Es gibt keine Entschuldigung für körperliche oder psychische Gewalt in einer Beziehung. Zwar kann man fragen, warum das Opfer es zugelassen hat, dass es in diese Situation kommt, aber erst einmal braucht das Opfer jede Unterstützung, die es kriegen kann. Es muß akzeptiert werden, daß unfreiwillige Gewalt auch zwischen Sadomasochisten vorkommen kann. Egal wie sehr wir uns wünschen, dass das ein reines Vorurteil ist. Der Kampf gegen die Vorstellung von Gewalt und Vergewaltigung als normale sadomasochistische Umgangsformen darf nicht dahin führen, dass nur das sein kann, was auch sein darf. Sadomasochisten sind leider nicht die besseren Menschen. Am Ende muß das Opfer die Entscheidungen treffen, auch wenn sie für Außenstehende unverständlich sein kann. Ein Verlassen des Partners kann sehr schwierig oder für das Opfer unmöglich erscheinen. Was genau in einem Einzelfall zu tun ist, kann natürlich nicht allgemein formuliert werden. Wie oben schon beschrieben können allgemeine Ratschläge, wie mit dem Opfer oder Täter zu reden, in der Realität billig sein. Außenstehende können selbst versuchen, bei Beratungsstellen und bestehenden Einrichtungen Rat zu holen. Diese Stellen sind für solche Situationen ausgebildet und verfügen über große Erfahrung.

Solange öffentliche Stellen nicht ausreichend über Sadomasochismus Bescheid wissen, um verständnisvolle und nützliche Hilfe bieten zu können, sind andere Sadomasochisten unter Umständen die einzige Anlaufstelle für das Opfer. Dementsprechend sollte jedes Mitglied der Subkultur in solchen Fällen helfen, wo es nur kann. Der größte Fehler wäre es, das Vorhandensein solcher Zustände zu tabuisieren.

© Prollboss@gmx.net, 2002, 01. December

 

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